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Arthrosen beim Pferd verstehen und therapieren

So unterschiedlich die Namen der Arthrosen und die betroffenen Gelenke auch sind, alle Arthrosen des Pferdes haben ähnliche Entstehungs- und Verlaufsprinzipien, um die es in diesem Beitrag gehen soll. Denn mit dem Verständnis dafür leuchten Therapie- und Haltungskonzepte, ein angepasstes Training und begleitende Physiotherapie schnell ein und man kann sich als Besitzer direkt daran machen, seinem Pferd so schnell wie möglich ein weitgehend schmerzfreies und mobiles, in vielen Fällen sogar noch lang "reitbares Leben" zu sichern.

Grundsätzlich kann jedes Pferdegelenk von einer Arthrose betroffen sein, jedoch bringt die Biomechanik des Pferdekörpers und seine spezielle Nutzung mit sich, dass einige Gelenke häufiger betroffen sind. Kron- und Fesselgelenk, die sogenannte "hohe oder tiefe Schale", Spat, eine Arthrose des Sprunggelenks, oder auch Arthrosen zwischen Halswirbeln sind häufig auftretende Befunde beim Pferd. Meist ist die "Diagnose Arthrose" schmerzhaft für die Besitzerin/den Besitzer und so richtig fassen kann man zunächst nicht, was genau da passiert. Hier sind einige wichtige Facts zum Verständnis:


1. Wie entstehen Arthrosen beim Pferd?

Im akuten Stadium spricht man zunächst von einer Arthritis des Gelenks: Durch ein Trauma (Vertreten, Verstolpern, Fallen) oder eine wiederkehrende Überbelastung (Reiten, Fahren etc.) entstehen kleinere oder größere Verletzungen im Gelenk. Oft betreffen diese anfangs "nur" die Knochenhaut der knöchernen Gelenkpartner, oder Weichteilgewebe, wie Gelenkkapsel und beteiligte Bänder. Wärme, Schwellungen, Funktionseinschränkungen und Schmerzen, die sich in Unrittigkeit oder Lahmheit zeigen können, sind Warnzeichen.

Oft werden diese akuten Gelenksentzündungen nicht sofort erkannt und entsprechend schnell therapiert (Kühlen, Ruhigstellung, entsprechende Medikamente zur Entzündungshemmung) . Manche Pferde zeigen auch nur diffuse Symptome und sind nach kurzer Zeit vermeintlich wieder "fit", wobei oft jedoch unterschwellige Entzündungszeichen weiterhin das Gelenk belasten. Bald zeigen sich wiederkehrende, immer schmerzhaftere Perioden.


2. Fortschreitende Arthrose im Gelenk des Pferdes: die zentrale Bedeutung des Knorpels

Die wiederkehrend aufflammenden Entzündungsepisoden werden chronisch und von nun an muss von einer Arthrose gesprochen werden, die immer weiter fortschreitet und nicht umkehrbar ist. Das heißt: Gewebeabbau und - umbauprozesse sind nicht zu verhindern. Besonderes Augenmerk muss dem Knorpel des Pferdegelenks gelten: Die Funktion des Knorpels ist es, die gelenkig verbundenen Knochen bei ihrem "Aufeinanderreiben" abzupuffern und ein Rollgleiten der Gelenkpartner entsprechend der Gelenkbewegungen zu ermöglichen. Knorpelgewebe ist kaum durchblutet und wird ausschließlich über die Gelenksflüssigkeit, die Synovia, mit Nährstoffen versorgt. Das ist stark abhängig von einer gleichmäßigen und ständigen Bewegung des Gelenks, denn so wird die Synovia in den Knorpel eingebracht und die Nähstoffe können vom Knorpel wie von einem Schwamm aufgenommen werden. Schon im gesunden Gelenk ist Knorpel also ein Gewebe, dass extrem langsam und nur unter guter Bewegung wachsen und regenerieren kann. Ein entzündetes Gelenk weist jedoch in der Synovia anstelle von Nährstoffen vermehrt Stoffwechselprodukte von Entzündungsmediatoren auf und der Knorpel wird noch schlechter ernährt. Die Entzündungsfaktoren des Immunsystems greifen den Knorpel zudem aktiv an . Eine Abwärtsspirale beginnt: Der Abbau des Knorpels erfolgt immer schneller, als er regenerieren kann. Die parallel zunehmende Inaktivität des Gelenks, das zunehmend geschont wird, verstärkt den Teufelskreis. Wird der Knorpel immer dünner, verliert er seine Schutzfunktion. Mehr und mehr gleiten und rollen die "blanken" Knochen aufeinander, was zu immer mehr Entzündungsreaktionen im Gelenk führt. Eine zentrale Reaktion der Reparaturmechanismen des Immunsystems ist es hierbei, Verknöcherung zu produzieren. Es bilden sich an den aufeinander treffenden Knochen daher anstelle von schützenden Weichteilen zunehmend Um- und Zubildungen von Knochenmaterial. Diese kleinen Zubildungen und Auftreibungen im Gelenk sind röntgenologisch als Osteophyten oder auch "Arthrosemarken" sichtbar. Bei einsetzender Bewegung des Gelenks werden diese Knochenauftreibungen immer wieder abgeschliffen, was sich im typischen "Einlaufschmerz" beim arthrotischen Pferd zeigt. Gewährt man dem Pferd zu langen Stillstand, werden wieder vermehrt Osteophyten gebildet und der Prozess beginnt von vorn. Dieser Prozess kann bis hin zur völligen Umbildung von schützendem Knorpelgewebe in Knochen gehen ("Glatzenbildung"). Mit der Zeit kann ein einigermaßen schmerzfreies Gehen oder auch nur Stehen unmöglich werden.


3. Arthrosen beim Pferd erfolgreich therapierena: Erhalt von Knorpel und Beweglichkeit!

Bei Arthrosen des Pferdes, zunächst einmal egal in welchem Gelenk, sind folgende Prinzipien für ein gutes Management der Erkrankung wichtig:


Medikamente:

Entzündungshemmung und Schmerzreduktion sind wichtig, um die Abwärtsspirale im Zaum zu halten und vermehrte Gewebezerstörung einzubremsen. Akute Schübe benötigen akute Hilfe, üblicher Weise werden vom TA Entzündungshemmer , wie Metacam, verabreicht, in schwereren Fällen auch Cortison. Entscheidend ist zu bedenken, dass Arthrose eine chronisch-degenerative Erkrankung ist und daher die Langzeitfolgen von Medikamenten im Auge zu behalten sind. Cortison zum Beispiel kann im Langzeiteinsatz Knorpelgewebe sogar schädigen.

Ernährung:

Gelenkerhaltend können helfen:

Neuseeländischer Grünlippmuschel-Extrakt, Kollagen, Methylsulfonylmethan (MSM), Chondroitinsulfat, Glucosamin, Teufelskralle, Hyaluronsäure – Chondroitinsulfat – Complex.

Muskelschutz kann unterstützend erfolgen, indem man zum Beispiel Aminosäuren-Komplexe, Vitamin E oder L-Carnitin zufüttert. Bitte immer individuell mit TA oder Therapeuten abstimmen.

Obwohl ich es nicht in dem Sinne nachweisen oder Beweise zitieren kann, gibt es Erfahrungswerte, dass eine zucker- und stärkearme Ration, eine Übersäuerung des Stoffwechsels zu verhindern hilft und damit eine generelle Entzündungsreduktion im Pferdekörper unterstützen kann.


Training:

"Mäßige, aber regelmäßige Bewegung", um die Bildung von Arthrosemarken zu verhindern, indem sie durch die ständige Bewegung gar nicht erst entstehen. Darüber hinaus gewährleistet Bewegung und der mechanische Druck im Gelenk bestmöglich die Ernährung des Knorpels über die Gelenkflüssigkeit ("Schwamm-Effekt"). Pferde profitieren von einer Haltung, die viel mäßige, gleichmäßige Schrittbewegungen über den ganzen Tag garantiert. Alternative Haltungskonzepte können sein: Offenställe und Aktivställe mit stabiler Herde, Ganzjahresweidenhaltung, oder auch Boxenhaltung mit vielen gleichmäßigen Bewegungseinheiten über den Tag verteilt (Spazieren gehen, reiten, Führanlagen).

Es sollte zwar für jedes Pferd selbstverständlich sein, ist es aber oft nicht: Mindestens 20 Minuten im gleichmäßigen Schritt aufwärmen, bevor das Training beginnen kann, um die Durchfeuchtung des Knorpels zu gewährleisten.

Oft muss man sich leider verabschieden von zu sportlichem Einsatz, wie Springen oder gelenksbelastenden Dressuraufgaben. Dennoch können Pferde oft noch lang mobil bleiben und auch geritten werden. Lockere Geländeritte mit unterschiedlichen Untergründen, aber auch leichte, lösende und gymnastizierende Dressurarbeit oder Bodenarbeit sollten Teil des Bewegungskonzepts sein (natürlich auf guten Böden).

Regenerationsmedizin: Regenerative Therapien, wie IRAP, Eigenblut, Stammzellentherapie, Gentherapie, Einbringen von Gleitstoffen wie Hyaluronsäure. Stoßwelle sind sehr oft erfolgreiche Maßnahmen der Veterinärmedizin. Pferdekliniken bieten einen guten Überblick auf ihren Websites.


Physiotherapie/Osteopathie:

Damit keine weiteren Überbelastungen im Pferdekörper entstehen, sollte prophylaktisch therapiert werden.

Durch wiederkehrende Schmerzepisoden entstehen beim Arthrosepferd vermehrt muskuläre und fasziale Fehl- und Schutzhaltungen, die zu Blockaden und weiteren Schutzhaltungen führen können. Eine mindestens vierteljährliche, in fortgeschrittenen Fällen 8-wöchige, therapeutische Begleitung zahlt sich aus, da sie die Mobilität verlängert.



Therapie zur Mobilerhaltung des Arthrosepferdes
Mobilisierung als therapeutisches Konzept bei Arthrosen

Zum Einsatz kommen bei mir manuelle Therapieformen wir Osteopathie, Chiropraktik, Dorn- und Physiotherapie, mit dem Ziel der Mobilerhaltung, sowie Dry Needling zur Entspannung der Muskel-/Faszienkette.

Zusätzlich setze ich ein hochwertiges PEMF Therapiegerät ein, dass auf zellulärer Ebene den Stoffwechsel im betroffenen Gelenk boostet und die Regeneration verbessert.



Hat dein Pferd eine Arthrose? Sprich mich gern an für einen Termin und ein therapeutisches Konzept für euren individuellen Fall.



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